Last Posts
Archiv
Suche
newsletter
gamez
best linx
im laden
sitemap
Randomizer
Vot@world
10.gif
38 les@s online
 raketa literatur-oktaeder feuilleton
 


Artikel einsenden
Voten
spaßig
informativ
kreativ
posts!
sexy
absurd
grottenschlecht
grauslig

   Klick the Stars!!
    (max. 3 Votes)

Die schöne Osteria
06.02 2007
Dienstag, 10:47
Manfred A. Maier
Ein Besuch bei unserem Freund Franco in Genova gestaltet sich immer interessant und abwechslungsreich. Bevor wir selbst in die Stadt zogen, waren diese Ausflüge für uns immer so etwas wie für andere Leute vermutlich ein Kino besuchen, um sich wieder einmal einen alten Fellini-Film anzusehen. Wenn ich schreibe, wir seien inzwischen in die Stadt gezogen, meine ich ausschliesslich Genovas Altstadt. Es ist die grösste Europas, verwinkelt, unübersichtlich mit unzähligen engen Gassen, in denen sich ein Ortsunkundiger schnell einmal verläuft. Sie erinnert an Napoli und beherbergt in ihren alten, manchmal sehr pittoresk verfallenen Häusern, viele Emigranten aus allen Kontinenten. Ein babylonisches Sprachengewirr ist zu vernehmen. Das gutturale Wolof der oft in ihren traditionellen, bunten Stoffe gekleideten Senegalesen neben den fröhlich, laut und aberwitzig schnell gesprochenen Spanisch der Peruaner. Stille, zurückhaltende Chinesen, welche das Bild von den fleissigen Ameisen bestätigen. Ihre Läden sind fast ausnahmslos sieben Tage in der Woche von früh morgens bis spät abends geöffnet. Fremdländische Küchegerüche erinnern an die letzte, lange zurückliegende Fernreise – improvisierte und natürlich nicht genehmigte Verkaufsstände in den breiten Gassen bieten alles an, was auch in der Fremde unverzichtbar erscheint. Bittere, für meinen Geschmack ungeniessbare Kolanüsse, welche gekaut und ausgespuckt werden, seien sehr gut um sich zu entwurmen, erklärt mir ein Afrikaner, Bänder, geschmückt mit Federn und Kernen, halten Unglück von ihrem Träger fern. Tee, gebraut aus getrockneten Hibiskusblüten und einen Bündel strohfarbenem Gras vertreibt die Müdigkeit. Würmer, Hautkrankheiten, übersäuerter Magen. Lebensunlust oder – angst, mieser Sex oder gar kein Sex - keine Sorge, hier werden Sie für wenig Geld fündig, wenn Sie den entsprechenden Glauben mitbringen. Unter jenen Bewohnern Genovas, welche die Möglichkeit haben zu wählen, wo sie wohnen möchten, gibt es zwei Fraktionen mit unerschütterlichem Standpunkt. Entweder man wohnt unter keinem Umstand im centro storico oder man kann überhaupt nur hier wohnen. Für mich ist Genova das centro storico, ausserhalb fühle ich mich fremd, in einer beliebigen, anonymen grossen Stadt. Ich nehme Partei und bin Partei mit Leidenschaft. Bei einem dieser Besuche in der „bevor wir hier wohnten Zeit“ schlug Franco vor, in einer wunderschönen Osteria einzukehren um Mittag zu essen. Eine Osteria ist ein Lokal, wo früher Wein über die Strasse verkauft wurde und wo man sich traf, um im Lokal Wein zu trinken. Sofern es sich nicht um eine der eher seltenen Osterie con cucina handelte, war es üblich das Essen selbst mitzubringen und es an grossen Holztischen, dichtgedrängt, zu geniessen. Wir zogen mit Franco los, um am Hafen in einer der zahlreichen Frittierbuden unser Mittagessen zu besorgen. Bald hatten wir an den Ständen mit grossen Augen eingekauft. Frittierte Fischchen, welche einem noch ganz traurig ansehen, wenn man sie am Schwanz haltend Kopf voran in den Mund schiebt. Marinierte Oktopusse, Gemüsetorten, alles in Fettpapier eingewickelt und im unvermeidlichen Plastiksack verstaut. Voller Vorfreude und mit knurrendem Magen kommen wir bei Francos alter Osteria an. Eleganter Eingang, innen der Fussboden mit maurischen Fliesenmosaiken verziert, grosse, mit feinem weissen Tuch gedeckte Tische, an denen offensichtlich Geschäftsleute ihr Mittagsmahl einnehmen. Ein Kellner, wie wir in sonst nur aus dem noblen Ristorante kennen, balanciert elegant drei Porzellanteller, aus denen ein verführerischer Duft von Meeresfrüchten in unsere Nasen dringt, in Richtung einer der Tische. Hier stehen wir nun, in der Hand einen prall gefüllten Plastiksack, im Herzen das Gefühl, irgendetwas hätten wir eventuell nicht ganz richtig mitbekommen. Ein Kellner nähert sich, fragt ob wir zu speisen wünschen, ob wir eventuell reserviert hätten. Franco hebt den Arm mit dem Plastiksack, erwidert, ja, wir wünschen zu speisen. Allerdings die Köstlichkeiten welche wir mitgebracht haben. Eine offensichtlich verwirrte Bedienung, welche auf Zeitgewinn spielt, hastig erklärt, er würde sofort den Patron des Hauses von unseren Wünschen in Kenntnis setzen, bittet, wir möchten uns doch einen Augenblick gedulden. Auch einige Gäste sind inzwischen auf uns aufmerksam geworden, verfolgen kauend den Lauf der Dinge. Irgendwie hatten wir eine ganz andere Vorstellung von Osteria, waren ganz erstaunt, wie sehr diese doch einem Luxusrestaurant gleicht. Nur Franco wartete ganz offensichtlich amüsiert auf die Entscheidung. Endlich kam unser Kellner gemessenen Schrittes aus der Küche, wies auf den direkt beim Eingang befindlichen Tisch und bat uns hier Platz zu nehmen. Er brachte uns eine umfangreiche Weinkarte, auf welcher sich ausnahmslos Flaschenweine der gehobeneren Preisklasse befanden. Nahm unsere Bestellung auf, brachte die Flasche, drei Kristallgläser von Riedel, liess mich probieren, schenkte allen formvollendet ein und entfernte sich. Inzwischen begann Franco aus dem blauen Plastiksack die diversen Papierpakte auf dem Tisch auszubreiten, öffnete die Pakte, erfreute sich an unserem Mittagessen. Wir prosteten uns zu und begannen, unter dem misstrauischen Blick des Kellners, den inzwischen indignierten Blicken der Gäste, herzhaft wie ehedem von Hand zu essen. Zwischendurch wird der arme Kellner, dessen Gelassenheit zunehmend blankem Entsetzen wich, noch einige Servietten an unseren Tisch bringen. Schliesslich konnten wir nicht mit unseren fettverschmierten Fingern die edlen Gläser zur Hand nehmen. Die muntere, lebhafte Unterhaltung mit Franco liess uns zudem erkennen, dass er das selbstverständlich fand. Er kenne das Lokal, welches ehemals tatsächlich eine einfache Osteria war, seit fünfzig Jahren. Auch wenn es sich mit den Jahren in ein feines Ristorante verwandelt hat, stehe schliesslich noch immer Osteria über dem Eingang. Und auch wenn die alten Weinfässer aus Holz nicht mehr im Lokal seien, die Tische mit feinem Leinen gedeckt sind und die Weingläser aus Kristall, so ändere dies nichts daran, dass seine Osteria ein wunderschönes Lokal sei. Wo er recht hat, hat er recht unser Franco. Nach Begleichung der Rechnung für den Wein wurde klar, dass auch Francos Form von Mittagessen nicht mehr wirklich als günstig zu bezeichnen ist. Allerdings scheint uns, diese Form von entschlossenem Widerstand war den Preis wert.

Manfred A. Maier - PreTe(atro) Theater- und Schreibwerkstatt
Dieser Raketa-Beitrag ist mir was wert: [?]
4977 Hits

Bookmarken bei Eintragen bei scoop.at Eintragen bei Webnews  Eintragen bei Yigg Eintragen bei Digg Eintragen bei Mr. Wong Eintragen bei Oneview  Eintragen bei Linkarena Eintragen bei Del.icio.us Eintragen bei StumbleUpon

Artikel versenden
Login   

nightshifter / 24.02.2007 21:58
ich mag diese bescheibungen
Jörg Lanz von Liebenfels / 19.02.2007 16:10
Haben sie auch brav die Ostara gelesen?
In der Osteria sitzen und die Ostara lesen.
Ostarhase / 19.02.2007 22:54
Re: Haben sie auch brav die Ostara gelesen?
nein! habe das schundheft vom adolf josef jörg gleich weggeschmissen. der autor war schwer geistesgestört.
Jörg Lanz von Liebenfels / 20.02.2007 09:58
Re: Re: Haben sie auch brav die Ostara gelesen?
Aber, aber, wer wird den gleich auf seine Grundsätze vergessen? Geistig Behinderte zwei verschiedener Klassen? Oder halten sie es mit "null Toleranz für Intolerante"?
Ostarhase / 20.02.2007 19:23
Re: Re: Re: Haben sie auch brav die Ostara gelesen?
Jawoll, null Dollaranz für Neutempler und sonstige Nichthasen.
Jörg Lanz von Liebenfels / 21.02.2007 11:40
Re: Re: Re: Re: Haben sie auch brav die Ostara gelesen?
Na Doll...
trestigresojhomersilversurfermichaelnewmandonatell / 16.02.2007 10:56
herr maier, sie hier?
Brücke / 19.02.2007 21:23
Re: herr maier, sie hier?
Trestigres ,Sie haben sich aber ordentlich gedehnt und verstreut

Zur Startseite